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Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr

Umweltministerkonferenz fordert Sofortprogramm zur Förderung von Elektrobussen

"Faktor 100" gegenüber Elektro-PKW

05.05.2017

Die Umweltminister der Länder haben heute (5. Mai 2017) auf Initiative Bremens einstimmig ein ausreichend finanziertes Sofortprogramm des Bundes zur Elektrifizierung von Bussen im Nahverkehr gefordert. "Faktor 100: Die Elektrifizierung eines 18-Meter-Busses im Stadtverkehr hat Auswirkungen wie 100 Elektro-PKW – aber bislang gibt es noch immer kein der Kaufprämie für Elektroautos vergleichbares Förderprogramm für Elektrobusse", kritisiert Dr. Joachim Lohse, Umweltsenator der Freien Hansestadt Bremen. "Das muss sich dringend ändern."

Die deutlich höhere Entlastungswirkung mit einem Faktor 100 ergibt sich zum einen durch die wesentlich längeren täglichen Betriebszeiten, denn ein Bus ist oft 12 bis 14 Stunden täglich im Einsatz. Zum anderen ist natürlich der Motor deutlich größer als beim Pkw. Ein 18-Meter-Dieselbus verbraucht im Stadteinsatz rund 40.000 Liter Diesel im Jahr. "Die Städte leiden unter Luft- und Lärmproblemen und der Verkehr in Deutschland produziert sogar noch mehr CO2 aus als in den Vorjahren – genug Anlass, die Initiativen zur Elektromobilität auf Stadtbusse auszuweiten", stellt Umweltsenator Lohse fest.

Die Umweltminister der Länder fordern deshalb jetzt bei der aktuellen Umweltministerkonferenz ein Förderprogramm des Bundes, das im Jahr 2018 ein Fördervolumen von 50 Millionen Euro haben soll und in den Folgejahren jeweils 100 Millionen Euro. Hiermit könnten in 2018 rund 250 und in den Folgejahren jeweils 500 e-Busse auf Deutschlands Straßen gebracht werden. Bei Verwendung zusätzlicher regenerativer Energiequellen kann der CO2-Ausstoß dann jährlich um bis zu 180.000 Tonnen CO2 reduziert werden. "Der Umweltvorteil des ÖPNV wird mit Elektrobussen weiter ausgebaut", sagt Bremens Umweltsenator Lohse. "Elektroautos helfen nicht gegen Parkplatzprobleme und Stau – Elektrobusse aber schon."

Während das aktuelle Förderprogramm für e-Pkw ein vergleichsweise einfaches Verfahren und hohe Zuwendungssicherheit offeriert, weisen die derzeit stark überzeichneten ÖPNV-Fahrzeug-Programme der Bundesregierung ein zu geringes Gesamtfördervolumen, niedrige Förderquoten und hohen administrativen Aufwand auf. Zudem ist der Fokus auf Pilotprojekte bei Hybridtechnik und Wasserstoffnutzung statt einer breitenwirksamen Einführung batterie-elektrischer Busse gerichtet. Infolgedessen verzichten bislang viele Verkehrsunternehmen auf die Möglichkeit, Elektrobusse zu beschaffen.

Anders als bei der Elektromobilitätsförderung für Pkw wird Ladeinfrastruktur für Busse nicht flächendeckend, sondern nur in den Busdepots und gegebenenfalls an festliegenden Routen benötigt.
Deutschlands große Bushersteller haben angekündigt, 2019 mit marktreifen eigenen Elektrobussen auf dem Markt sein zu wollen. "Mit einem Bundes-Förderprogramm kann der Markthochlauf bei Elektrobussen deutlich beschleunigt werden", stellt Umweltsenator Joachim Lohse fest: "Stadtbusse in Deutschland können zu einem ernstzunehmenden Vorreiter der Elektromobilität werden. Mit 500 Elektrobussen pro Jahr kann ein Effekt erzielt werden wie sonst mit 50.000 Elektro-Pkw."

Bremen koordiniert auch das europäische Forschungsprojekt ELIPTIC (Electrification of Public Transport in Cities), das sich mit dem Potenzialen der Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs befasst.

Im Download: Flyer zum EU-Programm ELIPTIC (pdf, 6.3 MB)