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Die Senatorin für Kinder und Bildung

"Besseres Qualitätsmanagement und gute Ausstattung notwendig"

Senatorin Claudia Bogedan reagiert auf den heute vorgestellten IQB-Bildungstrend

13.10.2017

"Die Ergebnisse des aktuellen IQB-Vergleichs sind dramatisch. Unsere bisherigen Maßnahmen – beispielsweise die Sprach- und Leseförderung – haben offensichtlich nicht gegriffen. Wir werden die Fördermaßnahmen ändern, stärker steuern und das gesamte Qualitätsmanagement verbessern, wie wir es schon in der jüngsten Deputationssitzung angekündigt haben. Zudem muss mehr Geld in das Bildungssystem unseres Landes fließen", kommentiert Dr. Claudia Bogedan, Senatorin für Kinder und Bildung, den heute in Berlin vorgestellten IQB-Bildungstrend für Grundschulen.

Hintergrund: Das von den Ländern finanzierte Berliner Institut für Qualitätsentwicklung (IQB) führt in regelmäßigen Abständen Leistungsmessungen in unterschiedlichen Fächern durch. Die jetzt veröffentlichte und bereits im Frühjahr 2016 durchgeführte Untersuchung überprüfte die Kompetenzen in den Bildungsbereichen Mathematik und Deutsch (für Lesen, Zuhören und Orthografie). Im Land Bremen nahmen 1.859 Schülerinnen und Schüler aus 94 Grundschulen beider Stadtgemeinden an der Untersuchung teil. Die Ergebnisse werden nur für das gesamte Land berichtet, eine Unterscheidung nach Schulen und Regionen findet nicht statt.

Bremen hat sich im IQB-Bildungstrend 2016 für die Primarstufen deutlich verschlechtert. Zwar ist in fast allen Bundesländern eine negative Entwicklung zu verzeichnen, diese fällt in Bremen aber besonders stark aus. Insbesondere ist alarmierend, dass die Leistungen Bremer Schülerinnen und Schüler im Fach Mathematik deutlich abgenommen haben und weit unter dem Bundesdurchschnitt liegen. Im Vergleich zu den anderen Stadtstaaten und zum Bundesdurchschnitt stellen sich die Ergebnisse wie folgt dar (in den Leistungspunkten des IQB):

Mathematik Deutsch
Lesen Zuhören Orthografie
Hamburg 469 487 485 481
Berlin 446 475 468
Bremen 418 444 443 443
Deutschland 483 493 484 500

Die jetzt überprüften Kompetenzen in Mathematik und Deutsch waren auch bereits im Jahr 2011 überprüft worden. Deshalb ist nun die Entwicklung innerhalb dieser fünf Jahre erkennbar:

Mathe
2011 2016
Bremen 452 418
Deutschland 500 483

Deutsch
Lesen Zuhören Orthografie
2011 2016 2011 2016 2016
Bremen 463 444 467 443 443
Deutschland 500 483 500 484 500

Bei einer genaueren Analyse der Ergebnisse wird deutlich, dass der Anteil der Schülerinnen und Schüler auf der niedrigsten Kompetenzstufe zu hoch und der Anteil der leistungsstärkeren auf der höchsten Kompetenzstufe viel zu gering ist. Das heißt: An den Schulen gibt es zu wenig leistungsstarke und zu viele leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler.

Im Folgenden die Ergebnisse für Mathematik:

Für die Bewertung der Ergebnisse muss berücksichtigt werden, dass zwischen den Vergleichsstudien 2011 und 2016 die soziale Ausgangslage deutlich schwieriger geworden ist. Die Armutsgefährdungsquote von Bewohnern des Landes Bremen unter 18 Jahren ist von 31,8 auf 36,6 Prozent stärker als im Bundesdurchschnitt (von 18,7 auf 20,2 Prozent) gestiegen. Der Anteil der Sozialleistungs-Empfänger ist ebenfalls von 16,4 auf 18,5 Prozent (im Bund von 7,6 auf 8,9 Prozent) gestiegen. Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf hat sich in diesem Zeitraum fast verdoppelt: War es 2010 noch jeder 20. Schüler, ist es mittlerweile fast jeder 10. Auch der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund erhöhte sich von 38,8 auf 50,9 Prozent, der Anteil der Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache beträgt 40,4 Prozent (2011: 35,9 Prozent). "Wir müssen besonders belastete Schulen in besonders förderbedürftigen Stadtteilen mehr unterstützen. Das gilt für den Fachunterricht, aber auch für die Sprachförderung", so Bogedan und verweist auf die Schwerpunkte im kommenden Haushalt sowie auf ein neues und verbessertes Qualitätsmanagement, das während der jüngsten Deputationssitzung vorgestellt wurde.

In dem Maßnahmenpaket zur Qualitäts- und Personalentwicklung werden die Stärkung der Fachlichkeit und der weitere Ausbau der Sprachförderung ins Zentrum gestellt. Zur Fachkräftegewinnung soll die Zahl der Referendare erhöht, deren Verbleib im Land Bremen verbessert und Seiteneinstiegsmöglichkeiten in den Lehrerberuf erleichtert werden. Geplant ist zudem ein intensives Bildungsmonitoring, das Schulen als Dienstleistung zur Verfügung gestellt wird, beispielsweise, um den Bedarf für eine Sprachförderung erheben und qualitativ anpassen zu können. Weitere Maßnahmen sind in der Deputationsvorlage https://www.bildung.bremen.de/sixcms/media.php/13/L91-19_Bericht_Qualitaetskonzept.pdf
zu lesen.

Mit Schwerpunktmaßnahmen im kommenden Haushalt sollen Schulen in besonders schwierigen Lagen bei der Qualitätsentwicklung des Unterrichts unterstützt werden. Mehr Zeit für die Unterrichtsplanung und kollegiale Absprachen wird es durch Unterrichtsentlastungen für Lehrkräfte an diesen Schulen geben. Außerdem erhalten Schulen mit sehr vollen Klassen eine Ressource zur Verbesserung ihrer pädagogischen Arbeit. Für die Inklusion sind zusätzliche Stellen vorgesehen wie auch für die besondere Förderung Leistungsstärkerer. Zudem werden die Mittel für die Schulsozialarbeit noch einmal aufgestockt. Im Vergleich zu 2017 steigt der Etat der Senatorin für Kinder und Bildung für 2018 um rund 103,6 Mio. auf insgesamt 930,5 Mio. Euro und um weitere 18,5 Mio. Euro auf 949 Mio. Euro im Jahr 2019.

Bogedan: "Wir stemmen aus dem Bremer Haushalt bereits sehr viel. Beispielsweise die Inklusion, den Ganztagsausbau und die Zuwanderung. Nicht zu vergessen, den enormen Kitaplatzausbau. Der Bremer Senat hat unter den Bedingungen der Maßgaben des Stabilitätsrates für den kommenden Doppelhaushalt einen Schwerpunkt für die Bildung gesetzt." Es müsse aber mehr Geld in das Bildungssystem des Landes Bremen fließen. Deshalb habe sich Bremen dem Entschließungsantrag im Bundesrat zur Aufhebung des Kooperationsverbotes angeschlossen. Die Herausforderungen für die Bildungssysteme seien extrem komplex. "Der Bedarf an Fachkräften, Räumen und Material steigt erheblich. Das fordert den Ländern und Kommunen in Kita und Schulen bereits jetzt alles ab. Wir brauchen eine kooperative Verteilung der Lasten, um unter anderem ausreichenden Schulraum bauen, über Schulsozialarbeit Lehrkräfte bei der Bewältigung sozialpolitischer Probleme unterstützen und den Ganztagsschulausbau vorantreiben zu können."