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Die Senatorin für Kinder und Bildung

Nachfolge von PISA-E: Erstmalig werden in allen Ländern der Bundesrepublik die Leistungen in Deutsch und Englisch bei Neuntklässlern überprüft

08.06.2010

Im Mai 2009 wurde zum vierten Mal der internationale PISA-Vergleich durchgeführt. Zeitgleich wurden vom Berliner Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) erstmalig in allen Bundesländern die Leistungen gemäß den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz in Deutsch und der ersten Fremdsprache bei Neuntklässlern überprüft.

Beim PISA-Vergleich werden im Dreijahresrhythmus Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften getestet, wobei jeweils wechselnd einer dieser Bereiche den Schwerpunkt bildet. Der Bildungsstandard-Ländervergleich wird ebenfalls im Dreijahresrhythmus durchgeführt, wobei die Sprachen und die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer jeweils im Wechsel getestet werden: Deutsch und Englisch im Jahr 2009, gefolgt von Mathematik und den Naturwissenschaften im Jahr 2012, dann erneut Deutsch und erste Fremdsprache (2015). Diese Länderstichproben, die die Kultusministerkonferenz dem IQB in Auftrag gegeben hat, lösen PISA-E, die bis dahin übliche nationale Ergänzung der internationalen PISA-Studie, ab.

Bei PISA stand und steht die Frage im Mittelpunkt, ob die 15-jährigen Jugendlichen der teilnehmenden Staaten zentrale Kompetenzen zur Bewältigung des Alltags beherrschen. Beim Bildungsstandard-Ländervergleich wird nun jedoch überprüft, inwieweit die Schülerinnen und Schüler des 9. Schuljahrgangs ausgewählte Bereiche der von der Kultusministerkonferenz der Länder 2004 verabschiedeten Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss erreichen.

In den Bildungsstandards ist festgelegt, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler am Ende des Bildungsganges erworben haben sollen. Im Fach Deutsch sind dies z.B. die Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler beim Sprechen und Zuhören, beim Schreiben, beim Lesen, beim Umgang mit Texten und mit Medien und beim Untersuchen von Sprache und Sprachgebrauch erworben haben sollen. Beim Schreiben sollen die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel die Grundregeln der Rechtschreibung und der Zeichensetzung sicher beherrschen, individuelle Fehlerschwerpunkte erkennen und Strategien beherrschen, wie sie diese Fehler abbauen können: durch Nachschlagen, Ableiten und Wortverwandtschaften suchen. Die Bremer Bildungspläne für die einzelnen Unterrichtsfächer basieren auf diesen Bildungsstandards. Sie wurden in den Jahren 2006 (Englisch) und 2007 (Deutsch) beschlossen und sind seit 2008 Grundlage für den Unterricht der Schülerinnen und Schüler, die neu in die Schulen der Sekundarstufe I aufgenommen werden.

Auch wenn der Unterricht der 2009 getesteten Schülerinnen und Schüler noch nicht auf der Basis der Bildungsstandards erfolgte und sie noch ein gegliedertes Schulsystem durchlaufen haben, was sich mit der Einführung der Oberschule ändern wird, erwartet Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper dennoch für das Land Bremen Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Unterrichts.

Die Überprüfung der Bildungsstandards im Ländervergleich liefert deutlich umfangreichere Informationen als der PISA-Test: So wird mit den Ergebnissen nun die Aussage möglich, wie viele Schülerinnen und Schüler die Mindest- oder Regelstandards der für Deutschland entwickelten Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss erreichen. Zudem wird nicht wie bisher nur die Lesekompetenz geprüft, sondern auch, wie gut die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 gesprochene Texte verstehen (Hörverstehen) und wie sicher sie die Orthographie beherrschen. Bei letzterem sollten die Schülerinnen und Schüler z.B. fehlerhafte Texte korrigieren und ein Lückendiktat absolvieren: Es wurde ein Text vorgelesen, der den Schülerinnen und Schülern mit Lücken auch in gedruckter Form vorlag. In diesen Text mussten sie nun die fehlenden Worte – in richtiger Schreibweise – eintragen. In der ersten Fremdsprache (in Bremen: Englisch) werden bei der Überprüfung der Bildungsstandards die Bereiche Hörverstehen und Leseverstehen getestet. Hier sollen Schülerinnen und Schüler zum Beispiel längeren gedruckten oder gesprochenen Texten zentrale Informationen entnehmen, die Aussagen einfacher literarischer Texte verstehen, in einem Interview konkrete Auskünfte geben und Begründungen und Erklärungen in der Fremdsprache abgeben.

Beteiligt am Ländervergleich 2009 waren im Land Bremen 1500 Schülerinnen und Schüler aus 68 Klassen (9. Schuljahr) in 54 Schulen, davon 54 Klassen aus 43 Schulen der Stadtgemeinde Bremen und 14 Klassen aus 11 Schulen in Bremerhaven. Die Auswahl erfolgte nach dem Zufallsprinzip. Bundesweit wurden 41 000 Schülerinnen und Schüler aus rund 1300 Schulen getestet. Am internationalen PISA-Test 2009 waren in Bremen 2 Schulen, deutschlandweit 241 Schulen beteiligt. Im Land Bremen waren 2009 nahezu alle Gymnasien, Gesamtschulen sowie SEK-I-Schulzentren in den Ländervergleich einbezogen, nicht aber Förderzentren. Es mussten sich also Schülerinnen und Schüler aller Bildungsgänge, vom Hauptschulzweig der Sekundarschule bis zum 8-jährigen Gymnasium, den anspruchsvollen Tests stellen – also auch solche, die den mittleren Schulabschluss gar nicht anstreben bzw. ihn nicht erreichen werden.

Die Ergebnisse des Ländervergleichs werden am 22. Juni 2010 abends in einer geschlossenen Ministerrunde in Berlin mitgeteilt und am kommenden Morgen in einer KMK-Pressekonferenz öffentlich vorgestellt. Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper wird die Bremer Ergebnisse am Mittwoch, 23. Juni 2010, der Presse vorstellen.

PDF-Anlage:
Vergleichende Informationen zu PISA-E 2006 und zur Überprüfung der Bildungsstandards im Ländervergleich 2009 (pdf, 52 KB)