Austausch mit Staatssekretärin Dr. Petra Bahr über das "Brise"-Programm
14.01.2026Wie niedrigschwellige Förderung und Unterstützung für Familien die Entwicklung von Kindern positiv beeinflussen kann, zeigt die Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung (Brise). Das 2017 gestartete und von einer deutschlandweit einzigartigen Langzeitstudie begleitete Verbundprojekt ist dabei gleichzeitig ein erfolgreiches Beispiel für die Zusammenarbeit der Ressorts für Soziales, Bildung und Gesundheit im Rahmen einer integrierten Politik und einer ressortübergreifend aufeinander abgestimmten Arbeit im Feld der frühen Kindheit.
Über die Bedeutung von "Brise" für bessere Entwicklungs- und Bildungsergebnisse sowie Möglichkeiten der Weiterentwicklung in kommunalen Unterstützungsstrukturen tauschte sich am Mittwoch (14. Januar 2026) im Rahmen eines Bremen-Besuchs Dr. Petra Bahr, Staatssekretärin des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit Dr. Claudia Schilling, Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration, Mark Rackles, Senator für Kinder und Bildung und Claudia Bernhard, Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz aus. Teil des Austauschs war auch die Besichtigung des "Brise"-Labors an der Universität Bremen, in dem die Entwicklung von Kindern im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahre durch verschiedene Untersuchungen begleitet wird. Die praktische Umsetzung zeigte ein Besuch im Quartiersbildungszentrum Robinsbalje, einem zentralen Ort für den Präventionskettenansatz im Pilotsozialraum Huchting. Dort wurde deutlich, wie Angebote wie Tipp Tapp, des Hauses der Familie, der Kita und den Bremer Stadtteileltern sowie dem Projekt "Hippy" Familien ganz konkret unterstützen, indem sie abgestimmt ineinandergreifen.
Dr. Petra Bahr, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: "Zu viele Kinder in Deutschland haben Defizite bei den Basiskompetenzen: im Rechnen, Lesen und Schreiben. Und was früh nicht gelernt wird, lernt sich später umso schwerer. Bildungspolitik beginnt deshalb von klein auf. 'Brise' zeigt, wie frühzeitige Unterstützung von Familien ganz konkret die Entwicklungschancen von Kindern verbessert – von der Schwangerschaft bis in die Schulzeit. Genau solche evidenzbasierten Ansätze brauchen wir für eine zukunftsorientierte Politik der frühen Kindheit. Die Verbindung von wissenschaftlicher Begleitung und praktischer Umsetzung macht das Projekt zu einem Vorbild für wirksame Prävention und mehr Chancengerechtigkeit in ganz Deutschland."
Dr. Claudia Schilling, Senatorin für Arbeit, Soziales, Jugend und Integration: "Durch 'Brise' gewinnen wir belastbares Steuerungswissen für die kommunale Praxis, sehen also, was wirkt und wie sich Entwicklungs- und Bildungschancen von Kindern von Geburt bis zur Einschulung verbessern lassen. Wir wollen damit auch einen Beitrag zur Reduzierung der Folgen der Kinderarmut leisten. Die Ergebnisse fließen bereits in die Präventionskettenarbeit im Modellraum Huchting ein. Gleichzeitig ist 'Brise' ein Projekt, durch das sich die ressortübergreifende Zusammenarbeit und Vernetzung stetig vertieft. Ich freue mich auch sehr, dass wir dieses ambitionierte Projekt gemeinsam mit der Universität Bremen und einem hochrangigen wissenschaftlichen Konsortium umsetzen. Die Ergebnisse haben überregionale Bedeutung und sind auch auf andere Standorte in Deutschland übertragbar."
Marc Rackles, Senator für Kinder und Bildung: "'Brise' unterstützt Familien ganz konkret und direkt vor der eigenen Haustür: Das Projekt vernetzt Kitas mit Gesundheitsdiensten, Familienbildung und Frühen Hilfen und schafft so Hilfen für Kinder und Eltern. Die Kitas werden durch 'Brise' zu Ankerpunkten, die den Eltern helfen, sich im eigenen Stadtteil zu orientieren. Das erleichtert den Familien auch den Zugang zu frühkindlicher Bildung. Wichtig ist mir dabei, den Übergang von der Kita in die Grundschule gut zu begleiten – mit einem gemeinsamen Bildungsplan für null bis zehn Jahre und enger Kooperation zwischen Kitas und Grundschulen."
Claudia Bernhard, Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz: "Das Ziel von 'Brise' ist mehr Bildungsgerechtigkeit und bessere Entwicklungschancen. Daraus entstand in Bremen die Idee der Förderkette, die Familien beraten und stärken. Entscheidend ist dabei das Angebot von Tipp Tapp. Die Gesundheitsfachkräfte bieten werdenden Eltern bereits in der Geburtsklinik niedrigschwellig Unterstützung an und ebnen ihnen den Weg zu weiteren Förderangeboten. Eine Ausweitung und die finanzielle Absicherung dieses Lotsensystems – wie bereits 2024 von den Senator:innen und Minister:innen für Gesundheit der Länder gefordert – halte ich für zwingend notwendig."
Prof. Dr. Olaf Köller, Geschäftsführender Wissenschaftlicher Direktor am IPN und Leiter des Wissenschaftskonsortiums: "'Brise' ist eine Initiative, bei der im Schulterschluss zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis Kinder aus benachteiligten Familien in den ersten sechs Lebensjahren so gefördert werden, dass ihnen der Start ins Schulleben deutlich erleichtert wird."
'Brise' ist ein Verbundprojekt von Wissenschaft, Verwaltung und Praxis. Es wird begleitet von einer deutschlandweit einzigartigen Langzeitstudie eines interdisziplinären Wissenschaftskonsortiums. Darin werden systematisch die Effekte frühkindlicher Bildung und Förderung über mehrere Jahre hinweg untersucht – von der Schwangerschaft bis in die Grundschulzeit hinein. Es sind etwa 600 Familien im Sample. Die Studie wird mit insgesamt 14,8 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert (Laufzeit 2016-2029). 2025 wurde die 3. Förderphase (2025-2028) bewilligt. Die Studienergebnisse werden systematisch in die Praxis überführt, zum Beispiel mit dem Präventionskettenansatz.
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