Trotz geringer werdender Lohnlücke müssen Frauen unverändert deutliche Einbußen hinnehmen
27.02.2026Der Gender Pay Gap, die Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen, betrug laut Statistischem Landesamt im vergangenen Jahr im Land Bremen 14 Prozent (im Vorjahr: 17 Prozent), bundesweit liegt die Lohnlücke bei 16 Prozent. Trotz dieses Fortschritts bleiben Frauen strukturell unverändert schlechter gestellt am Arbeitsmarkt. So sind hier im Bundesvergleich die wenigsten Frauen erwerbstätig: nur 67,2 Prozent. Damit liegt Bremen als einziges Bundesland bei einer Frauenerwerbstätigenquote von unter 70 Prozent, wobei mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen in Teilzeit arbeitet. Frauen verdienen mit 24 Euro im Durchschnitt vier Euro weniger als Männer.
Der Arbeitsmarkt in Bremen bleibt statisch, was den Geschlechteranteil in den verschiedenen Branchen und ihre Verdienstmöglichkeiten betrifft. Dabei hält sich die traditionelle Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit hartnäckig. Die männliche Norm ist der Vollzeitbeschäftigte in Fahrzeugbau, Metall- oder Baubranche oder in der IT. Die weibliche Norm ist die Teilzeitbeschäftigte im Sozial- oder Gesundheitswesen.
Anlässlich des Equal Pay Days am heutigen 27. Februar 2026 erklärt die stellvertretende Landesfrauenbeauftragte Katharina Kunze: "Das Ehegattensplitting zementiert die traditionelle Rollenverteilung seit den 1950er Jahren, da es über steuerliche Anreize bei Eheleuten einen Hauptverdienenden begünstigt. Das ist in der Praxis meist der Mann. Es führt Frauen in eine finanzielle Abhängigkeit und kann dazu führen, dass sie in der Teilzeitfalle oder im Minijob hängen bleiben, da es sich finanziell nicht lohnt, mehr Stunden zu arbeiten. Das Ehegattensplitting gehört deshalb schlicht abgeschafft. Minijobs sollten nur als Zuverdienst für Studierende und verrentete Personen erhalten bleiben.
Zudem brauchen wir dringend bessere Bedingungen in den anstrengenden Pflege- und Betreuungsberufen. Viele Beschäftigte, arbeiten in Teilzeit, weil sie den Job anders nicht bewältigen könnten oder unzureichende Betreuungsstrukturen keine höheren Arbeitszeiten zulassen.
Das Land Bremen unternimmt bereits Anstrengungen, die verfestigte Struktur der Ungleichheit aufzubrechen, zu allererst mit der Landesstrategie Gendergerechtigkeit und Entgeltgleichheit, die demnächst fortgeschrieben wird, hoffentlich mit ausreichender Finanzierung. Inwieweit die Maßnahmen die Chancen von Frauen am Arbeitsmarkt verbessern, muss allerdings überprüft werden. Bislang gibt es dazu noch keine belastbaren Daten."
Einsparungen auf Landes- und Bundesebene bei der Arbeitsförderung: Bleiben Frauen auf der Strecke?
Vor allem für Frauen sieht Katharina Kunze negative Auswirkungen im Zuge der massiven Einschränkung der Integrationskurse durch das Bundesinnenministerium und der Kürzungen bei den niedrigschwelligen Angeboten zur Heranführung an den Arbeitsmarkt im Land Bremen. Kunze: "Die Unterstützung beim Einstieg ins Erwerbsleben wird weniger, der Ton in den öffentlichen Debatten rauer – Stichwort Lifestyle-Teilzeit. Beides ist kontraproduktiv für eine gleichberechtigte Teilhabe am Erwerbsleben."
Derzeit wird in Bremen die Beschäftigungsförderung, also öffentlich finanzierte Maßnahmen für Qualifizierung und Berufseinstieg, neu aufgestellt. "Frauen als Zielgruppe in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen haben es unter Mitwirkung der ZGF in die Arbeitsmarktstrategie geschafft. Nun müssen sie in den Förderangeboten trotz knapper werdender Mittel ausreichend berücksichtigt werden. Wenn nicht, werden wir in den kommenden Jahren vielleicht sogar wieder einen größeren Gender Pay Gap haben", warnt die stellvertretende Landesfrauenbeauftragte.
Ansprechpartnerin für die Medien:
Susanne Gieffers, ZGF Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Tel.: (0421) 361-6050, E-Mail: presse@frauen.bremen.de