Bremen fordert vor der Verkehrsministerkonferenz Nachbesserungen bei der Sanierung des Hochleistungsnetzes, damit Personen- und Güterverkehr sowie die Hafenanbindung nicht geschwächt werden. Die Generalsanierung des Hochleistungsnetzes der DB InfraGO AG ist eines der größten Infrastrukturvorhaben Deutschlands: Zwischen 2024 und 2035 sollen über 4.000 Streckenkilometer der bedeutendsten und verkehrsreichsten Eisenbahnverbindungen während mehrmonatiger Vollsperrungen grundlegend erneuert werden, um möglichst viele Arbeiten gleichzeitig durchführen zu können.
Erste Erfahrungen mit dem Konzept – etwa die Generalsanierung der Riedbahn oder des Korridors Hamburg–Berlin – zeigen allerdings, dass die derzeitige Umsetzung während der Bauzeit die Gefahr birgt, den Schienenpersonen- und Schienengüterverkehr in den betroffenen Regionen und weit darüber hinaus nachhaltig zu schwächen. Eisenbahnverkehrsunternehmen sehen sich durch die Generalsanierung erheblichen wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt, die sie weder verursacht haben noch beeinflussen können.
Vor diesem Hintergrund wird Bremens Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung, Özlem Ünsal, auf der Verkehrsministerkonferenz am morgigen Dienstag (24. März 2026) in Lindau (Bayern) darauf dringen, dass die Länder den Bund und die DB AG nachdrücklich auffordern, das bisherige Konzept kritisch zu überprüfen und zu verbessern.
Senatorin Özlem Ünsal: "Die Sanierung unserer Schienenwege ist überfällig – das bestreitet niemand. Aber wer die Bahn retten will, darf sie nicht kaputtsanieren. Wenn Pendlerinnen und Pendler über Monate auf den Bus umsteigen müssen und der Güterverkehr auf die Straße ausweicht, verlieren wir Fahrgäste, Akzeptanz und Marktanteile, die wir so schnell nicht zurückgewinnen. Das ist das Gegenteil von Verkehrswende. Bund und DB müssen die Generalsanierung so planen und umsetzen, dass die Auswirkungen auf den laufenden Bahnverkehr auf ein unvermeidbares Minimum begrenzt werden. Ich erwarte insbesondere eine realistische Bauzeitenplanung sowie eine verbesserte Abstimmung paralleler Bauvorhaben – sowohl bahnintern als auch mit anderen Verkehrsträgern. Im Schienengüterverkehr würde ein Verlust von Marktanteilen mit einer Schwächung unserer Häfen einhergehen. Mögliche Fahrgastverluste im Personenverkehr stehen im klaren Widerspruch zu den Zielen der Verkehrsverlagerung."
Bremen fordert zudem, dass der Bund und die DB für ausreichende und verlässliche Ersatz- und Umleitungsangebote insbesondere im Schienengüterverkehr sorgen und finanzielle Mehrbelastungen der betroffenen Eisenbahnverkehrsunternehmen abwenden. Mehrkosten und Einnahmeausfälle, die unmittelbar aus den Maßnahmen der Generalsanierung resultieren, müssen angemessen und unbürokratisch kompensiert werden.
Das Land Bremen wird nach den derzeitigen Planungen von insgesamt vier Korridoren betroffen sein. Der erste Korridor, der sich derzeit in der Vorbereitung befindet, ist die Strecke Bremen–Bremerhaven, die in der zweiten Jahreshälfte 2027 erneuert werden soll. Für Bremen kommt es jetzt darauf an, dass die bislang gewonnenen Erkenntnisse ausgewertet und in dieses anstehende Vorhaben einfließen. Die Planungen finden derzeit in enger Abstimmung zwischen der DB InfraGO, dem Land und den beteiligten Eisenbahnverkehrsunternehmen statt.
Abweichend von den bisherigen Vorhaben erfolgt die Generalsanierung des Korridors Bremen–Bremerhaven aufgrund fehlender leistungsfähiger Umleiterstrecken ohne Vollsperrung, sondern in zwei aufeinanderfolgenden einseitigen Sperrungen. Die dadurch zur Verfügung stehenden Trassen werden in erster Linie dem Güterverkehr zugutekommen, der die Anbindung des Hafens sicherstellt und die Seehafenhinterlandverkehre abwickelt – ein für die heimische Wirtschaft enorm wichtiger Faktor. Im Personenverkehr kann zu den Hauptverkehrszeiten ein reduziertes Grundangebot weiterhin auf der Schiene angeboten werden; dieses soll durch ein umfangreiches Busangebot ergänzt werden. Die Planungen für den kombinierten Schiene/Bus-Ersatzverkehr laufen derzeit.
Ansprechpartner für die Medien:
Aygün Kilincsoy, Pressesprecher bei der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung, Tel.: (0421) 361 - 6012, E-Mail: ayguen.kilincsoy@bau.bremen.de