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Der Senator für Kultur

Gröpelingens Pinguin ist zurück

Neuaufstellung der Skulptur des Künstlers Mohamed Smith auf dem Bürgermeister-Koschnick-Platz

16.04.2026

Gröpelingen hat seit gestern (15. April 2026) eine wichtige Attraktion zurück. Die Pinguin-Bronzeskulptur des "Bremer Banksy" – auch bekannt unter seinem Pseudonym Mohamed Smith – steht jetzt wieder auf dem Gröpelinger Bürgermeister-Koschnick-Platz.

Für Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz ein doppelter Anlass zur Freude: "Diese Pinguin-Skulptur hat zunächst einmal insbesondere für Kinder einen hohen Stellenwert hier im öffentlichen Raum und erhöht damit die gesamte Aufenthaltsqualität des Platzes. Zugleich steht dieser Pinguin als politisches Symbol für Demokratie, Zivilcourage, gegen Autokratie und Unterdrückung. Werte, für die auch Hans Koschnick Zeit seines Lebens gekämpft hat. Ein tolles Symbol für einen tollen Stadtteil."

Gröpelingen hat seinen Pinguin zurück Foto: Christiane Gartner, Kultur vor Ort e.V.

Bereits im November 2024 hatte der Künstler sein beeindruckendes Werk in einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" aufgebaut und damit den Stadtteil überrascht. Innerhalb kürzester Zeit wurde die Skulptur auf dem leuchtend gelben Sockel zum Anziehungspunkt, sodass die Enttäuschung groß war, als der Gröpelinger Pinguin aufgrund Verkehrssicherheitsbedenken wieder abgebaut werden musste. Insbesondere der Beirat Gröpelingen sowie Kultur vor Ort setzten sich für seinen Verbleib auf dem Platz ein. Daraufhin prüfte das Amt für Straßen und Verkehr in Absprache mit Ortsamt und dem Kulturresort die Möglichkeiten für eine verkehrssichere Neuaufstellung. Nun also wurde ein Platz gefunden und der Pinguin darf dauerhaft auf dem Bürgermeister-Koschnick-Platz stehen und somit zu dessen Aufenthaltsqualität beitragen.

Die Statue hat bereits eine längere Reise hinter sich. Bereits im Jahr 2024 war der Pinguin von Mohamed Smith in Köln aufgestellt worden, doch wurde die Bronzefigur dort umgehend entfernt und einlagert.

Mit dem Werk knüpft Mohamed Smith an seine bisherige Arbeit im öffentlichen Raum an und greift erneut ein politisch relevantes Thema auf. Die Pinguin Skulptur verweist auf die Gezi Proteste in Istanbul im Jahr 2013, die sich gegen die umstrittene Regierungspolitik des damals türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan richtete. CNN Türk blendete die aktuellen Demonstrationen aus und sendete stattdessen eine Pinguin‑Dokumentation – wodurch das Tier zum Symbol der Bewegung wurde. Somit erinnert die Skulptur an die Opfer der damaligen Proteste und macht eine historische Auseinandersetzung mit Demokratie, Zivilcourage und Polizeigewalt in den öffentlichen Raum sichtbar. Über einen QR Code am Sockel der Figur gelangen Interessierte zu einer Website, auf der die Namen der getöteten Demonstrantinnen und Demonstranten verzeichnet sind. Mohamed Smiths Pinguin zeigt, wie Kunst im öffentlichen Raum Themen wie Demokratie, Gewalt und Meinungsfreiheit sichtbar und zugänglich macht.

Der Beirat Gröpelingen schreibt dazu: "Der Beirat Gröpelingen spricht sich für den dauerhaften Verbleib der Bronze auf dem Bürgermeister-Koschnick-Platz aus. Diese Bronze unterstreicht die Solidarität und den Einsatz der Gröpelingerinnen und Gröpelinger für Demokratie, Toleranz und gegen Ausgrenzung." Doch auch ohne politische Vorkenntnisse entfaltet der überlebensgroß gestaltete Pinguin mit seiner zugleich monumentalen wie zugänglichen Formensprache eine eindrucksvolle Wirkung. Auf dem Platz weckt er die Neugier der Passantinnen und Passanten, wird zum Blickfang und Anziehungspunkt – und trägt so spürbar zur Aufenthaltsqualität bei.

Kurzbiografie des Künstlers Mohamed Smith
Mohamed Smith ist ein Künstler, der vor allem durch kritisch‑konzeptuelle Skulptur-Aktionen im öffentlichen Raum bekannt wurde. Seine Installationen begleitet er häufig mit Beiträgen in den sozialen Medien – insbesondere auf Instagram –, wobei er seine Anonymität konsequent wahrt. Der Künstlername "Mohamed Smith" vereint bewusst die weltweit verbreitetsten Vor‑ und Nachnamen und verweist damit auf universelle Identität und Zugänglichkeit.
Erstmals trat Smith 2020 mit der Aufstellung des sogenannten "Bronze‑Mannes" in den Bremer Wallanlagen in Erscheinung und avancierte rasch zum "Bremer Banksy". Über Nacht und ohne offizielle Genehmigung platzierte er eine Figur, die einen Einkaufswagen schiebt und unmissverständlich an einen Obdachlosen erinnert. Seine Arbeiten bestechen durch eine klare, direkte Formensprache, die breite Resonanz hervorruft und zugleich gesellschaftspolitische Spannungsfelder beleuchtet. Deutschlandweite Aufmerksamkeit erlangte Smith Ende 2025 durch eine Aktion in Kooperation mit dem "Zentrum für politische Schönheit": Vor dem Konrad‑Adenauer‑Haus entstand ein kontrovers diskutiertes Walter‑Lübcke‑Memorial, das an das Engagement des ermordeten CDU‑Politikers für Geflüchtete erinnert.

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