Mehrsprachige Bücherkoffer für mehr als 20 Bremer Grundschulen
16.04.2026"Bildungschancen steigern mit dem Bücherkoffer Programm" – unter diesem Motto setzt der Verein coach@school in Kooperation mit dem Senator für Kinder und Bildung knallblaue Bücherkoffer an mehr als 20 Bremer Grundschulen in Bremen und Bremerhaven ein. Weitere Grundschulen werden im Schuljahr 2026/27 in das Programm aufgenommen. So wird in Bremen und Bremerhaven bei immer mehr Kindern die Lesefreude gestärkt. Der Bücherkoffer motiviert Familien zum Erzählen und Vorlesen auf Deutsch und in den verschiedenen Familiensprachen.
Der Senator für Kinder und Bildung, Mark Rackles freut sich: "Gute Bildung beginnt oft mit einer einfachen Geschichte und mit Menschen, die sie miteinander teilen. Denn, wenn Eltern und Kinder gemeinsam lesen, passiert etwas ganz Besonderes: Kinder entwickeln ihre Sprachfertigkeiten und gewinnen Selbstvertrauen, neugierig die Welt zu entdecken. Genau das bringt der Bücherkoffer in den Alltag der Familien. Die Mehrsprachigkeit macht das Programm dabei besonders wertvoll."
Aus dem Bücherkoffer stammt auch das Buch "Heule Eule" von Paul Friester und Philippe Goossens, das der Senator am heutigen Donnerstag (16. April 2026) in einer Bücherkoffer-Klasse der Grundschule an der Fischerhuder Straße vorgelesen hat. coach@school Geschäftsführerin Sigrid Scherer sowie Programm-Managerin Maimuna Sallah waren bei der Lesung mit von der Partie.
"Das Bücherkoffer Programm ist ein niedrigschwelliges Angebot, das die wertvolle Leseförderarbeit der Lehrkräfte in den Grundschulen unterstützt", so Sigrid Scherer, Geschäftsführerin von coach@school. "Die mehrsprachigen Bücher erreichen von der Schule die Familien und fördern dort die Freude am gemeinsamen Lesen. Durch die Bücher in vielen Sprachen erfahren die Kinder Wertschätzung für ihre Sprache, ihre Kultur und ihre individuelle Familienkonstellation."
Das mehrsprachige Bücherkoffer Programm für Grundschulen stärkt Kinder durch Lesen und Vorlesen in ihrer Persönlichkeits- und Leistungsentwicklung und bindet Eltern aktiv mit ein. Damit setzt der Verein wissenschaftlich belegte Methoden aus der Lese- und Sprachförderung einfach und praktisch um. Gegründet und gestartet wurde das Programm 2016 in Hamburg. Aktuell rollt der Bücherkoffer voller spannender Geschichten in bis zu 50 Sprachen bundesweit an mehr als 450 Schulen, seit Bestehen hat das Programm rund 130.000 Kinder erreicht. Schirmherrin des Programms ist die namhafte Kinder- und Jugendbuchautorin Cornelia Funke.
Laut einer Evaluation der Uni Paderborn von Kindern und Eltern an Projektschulen fördert der Bücherkoffer nachhaltig die Lesehäufigkeit und einen größeren Wortschatz bei Kindern.
In Bremen rollen in diesem Schuljahr für zunächst vier Programmjahre an über 20 Grundschulen die Bücherkoffer in Bremen und Bremerhaven. Insgesamt möchte das Programm im Land Bremen bis zu 40 Grundschulen vom beliebten Leseförderprogramm profitieren lassen.
Jede Klasse erhält zwei Bücherkoffer, gefüllt mit jeweils zwölf unterschiedlichen und mehrsprachigen Büchern. Abwechselnd rollt je ein Bücherkoffer mehrmals im Schuljahr mit jedem Kind für jeweils eine Woche nach Hause. Hier regen die Bücher in bis zu 50 Sprachen die gesamte Familie zum Erzählen und Vorlesen auf Deutsch und in der jeweiligen Familiensprache an. Der Bücherkoffer ist damit ein Angebot für alle Familien und ermöglicht – ob auf Deutsch, Polnisch, Arabisch oder Ukrainisch – positive Leseerlebnisse. Damit weckt der Bücherkoffer nachhaltig Leselernmotivation und schafft eine Brücke zwischen Schulen und Elternhäusern.
Möglich wird dies dank des Bücherkoffer-Programms des Vereins coach@school. Es finanziert sich im Land Bremen aus Mitteln des Vereins SOS-Kinderdörfer weltweit. Im Rahmen der Förderung stattet coach@school Schulklassen mit den Bücherkoffern aus und begleitet die Umsetzung des Leseförderprogramms an den Schulen, zum Beispiel durch Schulung der Lehrkräfte, praxisorientierte Begleitmaterialien, mehrsprachige Workshops für die Eltern, Unterrichtsideen zu den Büchern und vieles mehr.
25 Prozent der Viertklässlerinnen in Deutschland verfügen nicht über ausreichende Lesekompetenz.(1) Fast jedes 5. Kind verfehlt am Ende der Grundschulzeit den Mindeststandard im Zuhören.(2) Dabei gelten Lesen und Zuhören als Schlüsselkompetenzen für den aktiven Spracherwerb und lebenslanges Lernen. Ohne sie sind Kinder in vielen Fächern mit Lernschwierigkeiten konfrontiert. Mehrsprachige Kinder aus einem sozioökonomisch herausfordernden Umfeld sind davon besonders betroffen. Kinder, denen oft vorgelesen wird, verfügen über bessere Kompetenzen im Sprechen und Zuhören. Ihnen fällt das Lesenlernen leichter. Sie entwickeln mehr Selbstvertrauen und sind im Allgemeinen erfolgreicher in der Schule. Allerdings wird 37 Prozent der Kinder selten bis nie vorgelesen. Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von Kinderbüchern in den Familien und der Häufigkeit des Vorlesens.(3) Laut SWK ist die Elterneinbindung für die Basalkompetenzen zentral (4) und ein wertschätzender Umgang mit Mehrsprachigkeit sollte selbstverständlich sein.(5)
Quellen:
(1) IGLU-Studie 2021.
(2) 2 IQB-Bildungstrend 2021.
(3) Vorlesemonitore der Stiftung Lesen, DIE ZEIT & Deutsche Bahn Stiftung 2011 – 2023.
(4) Gutachten "Basale Kompetenzen vermitteln - Bildungschancen sichern. Perspektiven für die Grundschule" der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK).
(5) SWK 2025: Sprachliche Bildung für neu zugewanderte Kinder und Jugendliche gestalten – Maßnahmen zur Förderung der Zielsprache Deutsch. Stellungnahme der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der Kultusministerkonferenz
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