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Der Senator für Finanzen

"Der öffentliche Dienst im Umbruch?"

Finanzsenatorin Linnert stellt gemeinsam mit dem Gesamtpersonalrat die Ergebnisse einer Beschäftigten-Befragung vor

16.02.2016

Am heutigen Dienstag, 16. Februar 2016, hat die Senatorin für Finanzen die Ergebnisse einer Umfrage unter allen Beschäftigten des Bremer öffentlichen Dienstes vorgestellt.
Ein zentrales Ergebnis der Befragung ist, dass die generelle Arbeitszufriedenheit hoch ist: knapp 85 Prozent der Beschäftigten sind mit ihrer beruflichen Tätigkeit im Allgemeinen sehr zufrieden. Die Zufriedenheit basiert im wesentlich auf Aspekten wie "Interessante Tätigkeit", "Sinnhaftigkeit der Arbeit", "Arbeitsklima", "Arbeitsplatzsicherheit" sowie "Vereinbarkeit von Familie und Beruf".

Mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind insgesamt 73,3 Prozent der Beschäftigten eher, weitgehend oder sehr zufrieden.

Auch der Vergleich zur Privatwirtschaft fällt größtenteils positiv aus:
Etwa 62 Prozent der Beschäftigten stimmen der Aussage zu, dass die Freie Hansestadt Bremen im Vergleich zur Privatwirtschaft ein sehr guter Arbeitgeber ist, rund 66 Prozent der Befragten halten die Beschäftigungsbedingungen im Bremer öffentlichen Dienst für besser, als in der Privatwirtschaft. Bundesweit sehen das nur 56 Prozent so.
"Das sind gute Werte, über die ich mich natürlich freue", kommentiert Bürgermeisterin Karoline Linnert diese Ergebnisse.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Freie Hansestadt Bremen eine besondere Arbeitgeberin ist und die Beschäftigten überwiegend attraktive Arbeitsplätze vorfinden. Es lässt sich eine hohe Gemeinwohlorientierung und Identifikation mit dem ausgeübten Beruf sowie ein großes Selbstbewusstsein bezüglich der eigenen Arbeitsleistung feststellen: 74 Prozent der Umfrage-Teilnehmerinnen und -teilnehmer schätzen ihre eigene Arbeitsleistung als sehr gut ein.

Kritischer zu betrachten ist, dass vor allem ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (über 55 Jahre) und Lehrpersonal die Arbeitsbelastung als hoch empfinden. Insgesamt fühlen sich 10 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sehr stark belastet, knapp 24 Prozent erleben sich weitgehend belastet.

Außerdem ist festzustellen, dass die Beschäftigten die Vergütung, Entwicklungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen sowie die Anerkennung und Wertschätzung durch Führungskräfte und durch die Politik kritisch sehen.

"Diese Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, dass wir die Umfrage gemacht haben und uns die Beschäftigten im öffentlichen Dienst dankenswerter Weise viel Input geliefert haben", sagt die Bürgermeisterin. "Wir müssen nun in eine detailliertere Analyse einsteigen, um dann gemeinsam mit der Personalvertretung und den Beschäftigten Ansätze zur Verbesserung zu entwickeln", so Linnert weiter. "Einige Beschäftigtengruppen sehen sich an Veränderungsprozessen nicht gut beteiligt. Das müssen wir uns jetzt genau ansehen und überlegen, wie wir diese Situation verbessern", fügt Linnert hinzu.

Aus Sicht des Gesamtpersonalrats ist ein wichtiges Ergebnis der Befragung die überaus hohe Motivation der Beschäftigten für ihre Arbeit. Die Studie gibt aber auch viele wichtige Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten. "Anlass zur Besorgnis gibt die durchgängig deutlich kritischere Bewertung der Freien Hansestadt Bremen als Arbeitgeberin durch die bremischen Beamtinnen und Beamten. Zu vermuten ist, dass die Ursache dafür in der schlechten Einkommensentwicklung der letzten Jahre liegt" meint Burckhard Radtke, stellvertretender Vorsitzender des Gesamtpersonalrats. "Erschreckend viele Beschäftigte schätzen den öffentlichen Dienst für junge Menschen als nicht attraktiv ein. Das ist aus unserer Sicht ein ernstzunehmendes Warnsignal für die Nachwuchsgewinnung" meint Doris Hülsmeier, Vorsitzende des Gesamtpersonalrats. "Vor dem Hintergrund müssen die kritisch bewerteten Aspekte genauer beleuchtet werden wie zum Beispiel die hohe Arbeitsbelastung und die fehlende Anerkennung durch die Vorgesetzten, die Politik und die Öffentlichkeit. Nur 20 Prozent der Beschäftigten sehen die Leistungsfähigkeit von Staat und Verwaltung trotz Personalkürzungen noch für gegeben."

"Es ist eine gemeinsame Aufgabe von Arbeitgeber und Beschäftigtenvertretung herauszuarbeiten, wie wir Verbesserungsprozesse angehen können", sind sich die Finanzsenatorin und die GPR-Vorsitzende einig

Zum Hintergrund:
Unter dem Titel "Der öffentliche Dienst im Umbruch? Selbstverständnis öffentlicher Beschäftigter und Arbeitgeberbild. Das Beispiel der Freien Hansestadt Bremen." hat die senatorische Behörde zusammen mit der Universität Bremen von Mai bis Juni 2014 eine Umfrage unter allen Beschäftigten im öffentlichen Dienst durchgeführt. Die Teilnahme erfolgte freiwillig und anonym. Angeschrieben wurden 23.657 Personen in 119 Dienststellen, die in der Kernverwaltung, in den Eigenbetrieben, Anstalten und Stiftungen sowie in den Sonderhaushalten (nur Verwaltungspersonal an Universität und Hochschulen) tätig sind. Der Rücklauf lag bei 20,3 Prozent.

Diese erstmalige und in der Form bundesweit einzige Untersuchung diente dazu herauszufinden:

  • wie die Beschäftigten Veränderungsprozesse und ihre Arbeitssituation wahrnehmen,
  • was die Beschäftigten motiviert, im öffentlichen Dienst zu arbeiten und
  • welche Faktoren den öffentlichen Dienst Bremens zum attraktiven Arbeitgeber machen.

Die Einstellungen und Beurteilungen zu den einzelnen Themenkomplexen sind stark von Bildung, Erfahrung, Verantwortung sowie von Personalgruppen, Geschlecht und Tätigkeitsbereichen abhängig. Insofern wäre es – zumindest in Teilbereichen – sehr verkürzend, generelle Aussagen über die Beschäftigten im öffentlichen Dienst zu treffen. Hier muss zunächst eine Detailanalyse und -bewertung stattfinden.

Der Bericht "Der öffentliche Dienst im Umbruch? Selbstverständnis öffentlich Beschäftigter und Arbeitgeberbild. Das Beispiel der Freien Hansestadt Bremen." zum PDF-Download (pdf, 7 MB)