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18. Bremer Solidaritätspreis geht an Aktivistin aus Uganda für ihr Engagement für globale Klimagerechtigkeit

Preisverleihung am 9. Oktober im Bremer Rathaus

09.05.2023

Die ugandische Aktivistin Hamira Kobusingye wird auf Beschluss des Senats der Freien Hansestadt Bremen am heutigen Dienstag (9. Mai 2023) mit dem 18. Bremer Solidaritätspreis ausgezeichnet. Damit folgt der Senat dem Vorschlag des Kuratoriums Bremer Solidaritätspreis.

Thema der Ausschreibung des 18. Preises war der menschengemachte Klimawandel als eine der zentralen ethisch-politischen Herausforderungen der Menschheit. Der Verlust von Biodiversität und fruchtbarem Land, Wüstenbildung und Überschwemmungen sind mittlerweile überall zu spüren und führen in vielen Ländern zu Ressourcenkonflikten und zum Verlust der Lebensgrundlagen. Sie sind somit eine Ursache für Flucht und Migration. Gesucht wurden Akteurinnen und Akteure aus dem Globalen Süden, die sich für eine globale Klimagerechtigkeit einsetzen.

Die Preisträgerin des 18. Bremer Solidaritätspreises, Hamira Kobusingye stammt aus Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Schon früh kam sie durch die Arbeit ihrer Mutter mit den Themen Gesundheit und soziale Gerechtigkeit in Berührung. Später engagierte sie sich selbst in einem Projekt, in dem sich Frauen durch Gemüseproduktion und -verkauf eine Lebensgrundlage schaffen sollten. Extremwetterereignisse und Trockenheit gefährdeten regelmäßig den Erfolg ihrer Arbeit, so dass die beteiligten Frauen ihre finanzielle Situation trotz großem persönlichen Einsatz nicht verbessern konnten.

Hamira Kobusingye: "Ich bin dankbar für die Auszeichnung und sicher, dass sie eine Inspiration für viele junge Menschen, besonders in Afrika ist, für etwas einzustehen. Wenn wir unsere Energie und Ressourcen dazu bündeln, politische Führer und Unternehmen in ihre Verantwortung zu nehmen, werden wir hoffentlich den Weg in eine bessere, gesündere Welt ebnen. In der wir Klimagerechtigkeit, Freiheit von Diskriminierung, Gendergerechtigkeit und legitimierbare Schritte gegen die Klimakrise einfordern können."

Hamira Kobusingye setzt sich in ihrer Arbeit mit dem Klimawandel auseinander. Besonders die gesundheitlichen und ökologischen Folgen großflächiger Kontamination im Nigerdelta bewegten sie dazu, gegen Ölvorhaben im eigenen Land und dem damit verbundenen Bau der East African Crude Oil Pipeline zu protestieren. Sie versucht den vom Bau der Pipeline betroffenen Menschen eine Stimme zu geben. Inspiriert von den Aktionen von Vanessa Nakate, Trägerin des Helmut-Schmidt-Zukunftspreises 2022, schloss sie sich den wöchentlichen Protesten der "Fridays for Future" Bewegung in Kampala an und wurde eine treibende Kraft hinter dem "Rise Up Movement", welches besonders junge afrikanische Klima- und Umweltaktivisten vernetzt.

Auch auf internationaler Ebene ist Hamira Kobusingye aktiv. 2022 reiste sie mit anderen Klimaaktivist:innen aus Uganda im Rahmen ihrer sogenannten "Klimamobilisierungstour" durch Europa und forderte unter anderem beim G7-Gipfel in Bayern, dass die Industrienationen als Hauptverursacher des Klimawandels endlich die Verantwortung für ihre Rolle übernehmen und die entsprechenden Mittel und Unterstützungen bereitgestellt werden, um die Auswirkungen des Klimawandels in den Ländern des Globalen Südens zu reduzieren und somit eine Grundlage für eine gerechte und nachhaltige Entwicklung zu schaffen.

Nominiert wurde Hamira Kobusingye von der BUND Jugend.

"Wir möchten mit der Verleihung des Bremer Solidaritätspreises an Frau Kobusingye Solidarität und Anerkennung für ihr unermüdliches Engagement zum Ausdruck bringen", so Bürgermeister Dr. Andreas Bovenschulte. Die Auszeichnung von Hamira Kobusingye setze "ein wichtiges Zeichen für die Bedeutung des Einsatzes für globale Klimagerechtigkeit, sowohl für sie als Einzelperson aber auch stellvertretend für ihre Generation und soll zeigen, dass der Senat der Freien Hansestadt Bremen sich seiner Verantwortung bewusst ist."

"Wir bedanken uns bei Hamira Kobusingye für den mutigen Einsatz und das unglaubliche Engagement für eine klima- und geschlechtergerechte Welt. Hamira Kobusingye mobilisiert und engagiert sich besonders für Frauen und Mädchen, die der Klimawandel auf unterschiedliche Weise betrifft. Ob im Bereich von reproduktiven Rechten und sexueller Gesundheit oder im Widerstand zu fossilen Energien - Hamira Kobusingye's politische Arbeit ist von immenser Bedeutung", freut sich Julian Reimann, Bundesgeschäftsführer der nominierenden BUND Jugend.

Das Kuratorium des Bremer Solidaritätspreises würdigt insbesondere, dass Hamira Kobusingye es schafft, lokales Engagement gegen eine Ölpipeline und für das Bewusstsein besonders für frauenspezifische Auswirkungen des Klimawandels mit einer Vernetzung von jungen Klimaschützerinnen und –schützern in afrikanischen Ländern und Auftritten bei internationalen Veranstaltungen zu verknüpfen. Die klare Forderung an die Industrienationen, endlich die Verantwortung als Hauptverursacher des Klimawandels zu übernehmen, verdeutlicht, dass die Klimagerechtigkeit für die Länder des Globalen Südens ein zentraler Punkt ihres Engagements ist. Damit steht sie für eine junge, gut ausgebildete Schicht an Menschen im Globalen Süden, die nicht mehr bereit ist, den Entwicklungen in ihren Ländern tatenlos zuzusehen und sich auch zunehmend international vernetzt.

Der Festakt zur Verleihung findet am 9. Oktober 2023 um 17 Uhr im Bremer Rathaus statt.

Zum Hintergrund:

Neben dem Preisgeld wird eine Skulptur des Bremer Künstlers Bernd Altenstein verliehen. Die Figur zeigt die Bremer Stadtmusikanten und steht symbolisch für die Kraft des solidarischen Handelns. Foto: Senatskanzlei
Neben dem Preisgeld wird eine Skulptur des Bremer Künstlers Bernd Altenstein verliehen. Die Figur zeigt die Bremer Stadtmusikanten und steht symbolisch für die Kraft des solidarischen Handelns. Foto: Senatskanzlei

Bremer Solidaritätspreis
Der Bremer Solidaritätspreis wird alle zwei Jahre vom Senat der Freien Hansestadt Bremen verliehen. Er soll eine Ermutigung für Personen oder Initiativen sein, die sich in besonderer Weise für die Überwindung von Ungerechtigkeit im Nord-Süd- Verhältnis und der Folgen von Kolonialismus und Rassismus sowie für Demokratie und Menschenrechte einsetzen.

Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, die sich aus Mitteln der Senatskanzlei und einer Zustiftung der privaten R. + R. Reinke-Stiftung zusammensetzen.
Neben dem Preisgeld wird eine Skulptur des Bremer Künstlers Bernd Altenstein verliehen. Die Figur zeigt die Bremer Stadtmusikanten und steht symbolisch für die Kraft des solidarischen Handelns. Denn aus den einsamen und schwachen Bauerntieren ist am Ende des Märchens ein starkes Quartett geworden, das gemeinsam Hindernisse überwindet.

Die bisherigen Preisträgerinnen und Preisträger des Bremer Solidaritätspreises

  • 1988 Nelson und Winnie Mandela (Südafrika)
  • 1990 Bischof Medardo E. Gómez und die Flüchtlingsorganisation CRIPDES (El Salvador)
  • 1992 Davi Copenawa Yanomami als Interessensvertreter der indigenen Völker des Amazonas-Regenwaldes (Brasilien)
  • 1994 Aung San Suu Kyi (Myanmar / Birma)
  • 1996 HAN Dong-Fang, Autonome Arbeitervereinigung von Peking -AAV- (China)
  • 1998 Nadjet Bouda, Menschenrechtsbewegung "Rassemblement, Actions, Jeunesse - RAJ" (Algerien)
  • Hetti Samanmali, Initiative "Da Bindu Collective" (Sri Lanka) und Brigitte Erler, "Aktion Courage e.V.- SOS Rassismus" (Deutschland)
  • 2001 Marguerite Barankitse (Burundi) und Melanie Ntahongendera (Ruanda) mit dem Waisenhaus "La Maison Shalom"
  • 2003 Dr. Sumaya Farhat-Naser (Palästina) Gila Svirsky (Israel) für den Dialog und Frieden im Nahost-Konflikt
  • 2005 Elsa de Oesterheld (Argentinien) und Kuno Hauck (Deutschland) für ihr Engagement in der "Koalition gegen Straflosigkeit. Wahrheit und Gerechtigkeit für die deutschen Verschwundenen in Argentinien"
  • 2006 Ana del Carmen Martínez, Sprecherin der afro-kolumbianischen Friedensgemeinde (Kolumbien) und Carolina Pardo Jaramillo, Franziskanerschwester (Kolumbien)
  • 2009 Immaculée Birhaheka, Gründerin der kongolesischen Organisation zur Förderung und Unterstützung von Fraueninitiativen – PAIF (DR Kongo)
  • 2011 Maung Thura, "Zarganar", Satiriker und Schauspieler, Engagement im Kampf gegen HIV/AIDS, Regierungskritiker (Burma/Myanmar)
  • 2013 Aminatou Haidar, Präsidentin der Menschenrechtsorganisation CODESA aus der Westsahara
  • 2015 Esther Mujawayo-Keiner, Traumatherapeutin und Autorin, Mitbegründerin von AVEGA in Ruanda
  • 2017 Stella Agara, kenianische Aktivistin für Steuergerechtigkeit und gegen Steuervermeidung
  • 2019 Victor Antonio Fernández Guzman und Martin Fernández Guzman, Menschenrechtsanwälte und Mitbegründer von der "Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit" – Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia MADJ in Honduras
  • 2021 Rukmini Vaderapura Puttaswamy, Mitbegründerin der Fraueninitiative "Vorwärts marschieren" (Munnade) sowie der ausschließlich von Frauen geführten Gewerkschaft Garment Labour Union (GLU)

Ansprechpartner für die Medien:
Christian Dohle, Pressesprecher des Senats, Tel.: (0421) 361- 2396, christian.dohle@sk.bremen.de